Neue Technologien eröffnen uns im Alltag Möglichkeiten, die noch vor weniger als zehn Jahren unvorstellbar waren. Meine Kinder lachen sich krank, wenn ich ihnen erzähle, dass wir früher öffentliche Münztelefone verwendet haben oder jemanden anrufen mussten, um nach dem Weg zu fragen ("Was? Kein Handy? Keine GPS-Navigation?"). Heute können wir uns mithilfe verschiedener Technologien mühelos mit anderen unterhalten – ob sie nun im Raum nebenan sitzen oder sich in einem anderen Land befinden. Alles geht schnell und ist verblüffend einfach.

Der Nachteil dieses Segens: Mit den gleichen Technologien kann auch viel Unheil angerichtet werden.

Cyberstalking

Cyberstalking ist nichts anderes als Stalking über das Internet. Von Cyberstalking spricht man, wenn Technologie, insbesondere das Internet, dazu verwendet wird, andere zu belästigen. Häufige Merkmale des Cyberstalking sind falsche Anschuldigungen, Überwachung, Bedrohung, Identitätsdiebstahl sowie Datenvernichtung oder -manipulation. Zu Cyberstalking gehört auch die Belästigung Minderjähriger, sei es in sexueller Hinsicht oder auf andere Art.

Die Belästigung kann viele Formen annehmen. Doch für alle Formen gilt, dass sie unerwünscht, häufig zwanghaft und meist illegal sind. Cyberstalker nutzen E-Mail, Instant Messages, Telefonanrufe oder andere Kommunikationsgeräte, um andere zu belästigen, sei es in Form von sexueller Belästigung, unangebrachter Kontaktaufnahme oder einfach nur lästiger Anteilnahme an Ihrem Leben oder den Aktivitäten Ihrer Familie.

Kinder verwenden den Begriff "Stalking", wenn sie davon sprechen, dass jemand ihre Aktivitäten über ihr soziales Netzwerk verfolgt. Meine eigenen Kinder beschuldigen mich, ihr "Stalker" zu sein, weil ich ihr digitales Leben kontrolliere. Wir sollten jedoch darauf achten, dass wir Cyberstalking ernst nehmen und nicht verharmlosen, indem wir den Begriff inkorrekt verwenden. In einer US-Fernsehwerbung für einen großen Mobilfunkanbieter wird eine junge Frau gezeigt, die ihrem Angebeteten durch das Schlafzimmerfenster nachspioniert, während sie gleichzeitig seine Online-Aktivitäten auf ihrem Handy überwacht. Die Werbung ist zwar lustig gemeint, im echten Leben ist Stalking für die Betroffenen jedoch überhaupt nicht zum Lachen.

Interessanterweise weist diese Werbung auf eine wichtige Tatsache hin: Hinter Cyberstalking stecken oft nicht irgendwelche Fremden, sondern eine Person, die Sie kennen. Es kann der Expartner sein oder einfach nur jemand, der Sie und Ihre Familie auf unangemessene Weise bedrängt.

Cyberstalking ist nicht harmlos

Cyberstalking jagt den Betroffenen große Angst ein. Es kann Freundschaften, Glaubwürdigkeit, berufliche Karrieren, Selbstwertgefühl und Vertrauen zerstören. Und es kann die Opfer noch größeren körperlichen Gefahren aussetzen, wenn aus Cyberstalking echtes Stalking wird. Das ist also alles andere als harmlos. Opfer von häuslicher Gewalt sind häufig auch Opfer eines Cyberstalkers. Und wie alle anderen auch müssen sie sich darüber im Klaren sein, dass Cyberstalking mithilfe von Technologien relativ einfach ist. Mit Spyware-Software lassen sich sämtliche Aktivitäten auf Ihrem Computer oder Handy überwachen. Cyberstalker erhalten auf diese Weise unzählige Informationen − und damit auch eine enorme Macht − über Sie.

Tipps zum Schutz vor Cyberstalking

Im Folgenden finden Sie einige wichtige Hinweise dazu, wie Sie sich gegen Cyberstalking wehren können – egal, ob es gegen Sie, Ihren PC oder Ihre Familie gerichtet ist:

  • Achten Sie darauf, wer Zugang zu Ihrem Computer und anderen internetfähigen Geräten wie Handys hat. Cyberstalker setzen Software und Hardwaregeräte ein (die manchmal an der Rückseite Ihres Computers angeschlossen sein können, ohne dass Sie es wissen), um ihre Opfer zu überwachen.
  • Prüfen Sie, ob Sie sich von Ihren Computerprogrammen abgemeldet haben, wenn Sie den Computer nicht mehr nutzen. Richten Sie auch einen Bildschirmschoner mit Kennwortschutz ein. Das gleiche gilt für Kennwörter auf Handys. Ihre Kinder und Ihr Ehepartner sollten dieselben Vorsichtsmaßnahmen beachten.
  • Vergewissern Sie sich, dass Sie sich an bestimmte Regeln zur Verwaltung und Sicherheit Ihrer Kennwörter halten. Geben Sie Ihre Kennwörter nicht an andere weiter. Und ändern Sie Ihre Kennwörter regelmäßig! Dies ist äußerst wichtig.
  • Führen Sie ab und zu eine Online-Suche nach Ihrem Namen oder den Namen Ihrer Familienmitglieder durch, um zu sehen, was online über Sie und Ihre Kinder geschrieben steht. Scheuen Sie sich nicht, soziale Netzwerke zu durchsuchen (einschließlich der Netzwerke Ihrer Freunde und Kollegen), und entfernen Sie private oder unangemessene Inhalte.
  • Löschen Sie Online-Kalender oder Reisepläne, in denen Aktivitäten aufgeführt sind, an denen Sie teilnehmen möchten, oder kennzeichnen Sie diese Einträge als privat. Dasselbe gilt auch für Kalender in Ihrem sozialen Netzwerk. Ein Stalker kann so leicht herausfinden, wo Sie sich wann aufhalten.
  • Nutzen Sie in allen Online-Konten die Einstellungen für die Privatsphäre, um Ihren Online-Austausch auf die zu beschränken, die sich innerhalb Ihres Kreises von vertrauenswürdigen Personen befinden. Sie können mit diesen Einstellungen angeben, dass Ihr Profil nicht angezeigt werden soll, wenn jemand nach Ihrem Namen sucht. Sie können zudem Personen ausschließen, die Ihre Beiträge und Fotos nicht sehen sollen.
  • Wenn Sie den Verdacht haben, dass jemand mithilfe von Spyware versucht, Ihre alltäglichen Aktivitäten zu überwachen, und Sie sich bedroht fühlen, sollten Sie nur öffentliche Computer oder Telefone verwenden, um Hilfe zu holen. Sonst sind Ihre Bemühungen, Hilfe zu erhalten, dem Cyberstalker sofort bekannt und das bringt Sie vielleicht noch mehr in Gefahr.
  • Und auch hier gilt: Schützen Sie sich mit wirksamer, aktueller Sicherheitssoftware. So können Sie verhindern, dass Ihr Computer über einen Phishing-Angriff oder über eine infizierte Website mit Spyware infiziert wird. Prüfen Sie im App-Store Ihres mobilen Geräts, welche Sicherheitssoftware verfügbar ist. Oder besuchen Sie die Norton Mobile-Website. Hier können Sie nachschauen, welche Programme für die Plattform Ihres Geräts verfügbar sind. Mithilfe von Sicherheitssoftware können Sie Spyware auf Ihrem Gerät aufspüren. So ist es weniger wahrscheinlich, dass Sie Opfer eines Stalkers werden.

Warnen Sie Ihre Kinder vor Cyberstalking

Vielleicht hören Sie sich wie eine hängengebliebene Schallplatte an: Doch sollten Sie Ihren Kindern immer und immer wieder erklären, dass sie keine persönlichen Informationen ins Internet stellen dürfen – egal, wie sicher sie sich fühlen. Machen Sie ihnen klar, dass Sie nirgends im Internet ihren wirklichen Namen, den Namen ihrer Schule, ihre Anschrift oder auch nur die Stadt, in der sie wohnen, angeben dürfen. Auch Telefonnummern dürfen nicht über das Internet weitergegeben werden. Und sollte ein Fremder sie auf irgendeine Weise kontaktieren, müssen sie Ihnen dies sofort mitteilen. Ermutigen Sie Ihre Kinder, mit Ihnen darüber zu sprechen, wenn sie Opfer von Cyberstalking geworden sind. Als Eltern sollten Sie sich bei Fällen von Cyberstalking an einen Lehrer oder die Schulleitung wenden, und – falls es ernst ist – die Polizei einschalten.

Melden Sie den Vorfall

Wenn Sie von einem Cyberstalker im Internet belästigt werden, sollten Sie eine Kopie einer Nachricht oder eines Online-Fotos aufbewahren, das als Beweis dienen kann. Zeigen Sie Ihren Kindern, mit welchen Tastenkombinationen man den Bildschirm drucken bzw. speichern kann.

Und – was vielleicht am wichtigsten ist – haben Sie keine Scheu, Cyberstalking bei der Polizei anzuzeigen. Viele Polizeistationen verfügen über Abteilungen für Internetkriminalität, und Cyberstalking ist eine Straftat.